Muenster Zeitung July 20 1999
Tauschringe als Alternative
John Turmel besuchte LoWi e.V.
Picture Caption: John Turmel protestiert gegen die Macht der Banken 
und engagiert sich Fuer Tauschringsysteme als alternative 
Wirtschaftsform.
     Muenster (MAF) - "Tauschen statt Zahlen" ist der Leitsatz des 
LoWi e.V.(-Lokale Wirtschaftsinitiative),des Tauschrings fuer 
Muenster, der sich im Maerz 1996 gegruendet hat, um "eine neue, 
gerechte und soziale Form von Arbeit, Handel und Markt" 
auszuprobieren. Ueber die Entwicklungen und weitreichenden 
Moeglichkeiten von Tauschringen, auch auf internationaler Ebene, 
informierte der Kanadier John Turmel, der sich seit 1984 mit diesem 
Thema befasst.
     Das Engagement dieser schillernden Persoenlichkeit geht auf das 
Vorhaben zurueck in Kanada das Gluecksspiel zu legalisieren. Um dies 
beeinflussen zu koennen, kandidierte der einstige Casino-Besitzer und 
(bis heute) professionelle Gluecksspieler fuer politische Aemter. 
Hinzu kam sein Protest gegen die Macht der Banken, die mit Zins und 
Verschuldung das Wirtschaftssystem bestimmten. Es folgte im Laufe von 
20 Jahren die Teilnahme an 47 Wahlen, die er allesamt verlor. Das 
brachte Turmel nicht nur einen Eintrag ins Guinness Buch der Rekorde, 
wie er lachend berichtete, sondern auch viele Einsichten in 
Wirtschaftskreislaeufe.
     Seiner Ansicht nach fuehren Zinsen und Hypotheken nur dazu, dass 
Reiche immer reicher und Arme immer aermer werden. "Ich weigere mich, 
Steuern fuer Schuldzinsen zu bezahlen." Mit Beispielen aus Bibel und 
Historie unterstrich der Kanadier temperamentvoll, das solcher 
"Wucher" nur zu verurteilen sei. Die einzige moegliche (zinsfreie) 
Alternative: "Local exchange and trading systems," wie die Tauschringe 
im angloamerikanischen Raum heissen.
     Diese Initiativen sind auf lokaler Ebene inzwischen mit grossem 
Erfolg weltweit verbreitet, sei es als organisierte 
Nachbarschaftshilfe oder als groesserer Zusammenschluss, an denen sich 
auch die Kommune beteiligt und wo sogar eigenes "Tauschgeld" kursiert. 
Die englische Stadt Bradford bekam fuer ein derartiges Projekt gar EU-
Mittel bewilligt. Turmel riet zur Nachahmung und legte gleich das 
Antragsformular vor.
     In den USA werden Tauschringe sehr viel ernster genommen. Viele 
soziale Probleme liessen sich entschaerfen, Arbeitslose mit einbinden 
und vieles andere mehr. Nun sei es an der Zeit, das Ganze 
international, zum Wohl auch fuer die Dritte Welt, zu vernetzen. Eine 
elektronische Zahlweise und der Einsatz des Internets werde bald 
erprobt. Vielversprechende Aussichten, wie Turmel findet. Voller 
Enthusiasmus wuenschte er den Muensteranern eine gute Entwicklung 
ihrer Initiative. 
     Turmel im Internet: http://www.cyberclass.net/turmel
     Kontakt zu loWi e.V.: montags 16-18 Uhr, mittwochs 17-19 Uhr, 
Umweltzentrum, Scharnhorststrasse 57, tel 532171. Treffen jeden ersten 
Freitag im Monat um 12 Uhr in der Blechtrommel. 

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